Seit gestern habe ich circa vierzig Übersetzungsangebote erhalten. Die meisten davon bewegen sich im Bereich von ungefähr 5.000 €.
Tja, man muss kein Kaufmann sein, um zu wissen, dass das für einen Newcomer im Self-Publishing-Bereich ein utopischer Betrag ist. Selbst wenn ich einen wohlwollenden Umsatzerlös berücksichtige, muss ich mindestens 3.200 eBooks verkaufen, nur um die Unkosten zu decken. Da es zu diesem Band noch eine Fortsetzung gibt, bin ich ja fast gezwungen, das gleiche Geld noch einmal auszugeben.
Das war es dann mit dem Höhenflug. Eine Übersetzung gibt es definitiv erst, wenn Chandni in den Bestsellerlisten ganz oben rangiert. Ich gebe meine Träume ja nicht auf. Ich arrangiere sie nur etwas um. Auch Adrianna tut das im Übrigen ...
Es beginnt bereits zu dämmern, als Adriannas Tränen versiegen. Ein letztes Mal schluchzt sie auf, bevor sie sich aufrichtet und das Gesicht mit dem Ärmel ihrer Jacke trocknet. ‘Es nützt dir nichts zurückzublicken. Du kannst die Vergangenheit nicht ändern. Du zerbrichst, wenn du das nicht akzeptierst.’ Sie ist zwar noch immer sehr traurig, doch hat sie ihre pragmatische Sichtweise der Dinge zurückerlangt.
So wie sie es jetzt betrachtet, bleiben ihr nur zwei Möglichkeiten. Entweder sie lässt sich weiter treiben und erliegt dem seelischen Schmerz, oder sie blickt nach vorne. Da sie im Grunde genommen ein eher positiv denkender Mensch ist, entscheidet sie sich für den Blick nach vorne.
‚Mom, Dad und Oma sind tot. Aber ich werde sie wiedersehen. Nicht in diesem Leben. Dann wird es jedoch für immer sein‘, bestärkt sie sich selbst. Entschlossen, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen, erhebt sie sich und tritt den Heimweg an. ‚Die Ehe habe ich überstanden. Für meinen Sohn war es besser, nicht geboren zu werden. Ich hätte keine Kraft für uns beide gehabt und Bertram niemals verlassen.‘
Adrianna ist bestürzt über diesen Gedanken, aber sie muss sich selbst gegenüber ehrlich sein. Vermutlich wäre sie noch immer in dieser Ehe gefangen, wenn ihr sein unmenschliches Verhalten nicht die Augen geöffnet hätte. Daran, dass er vielleicht sogar ihr Kind misshandelt hätte, will sie lieber gar nicht denken.
‚Ich kann zwar kein eigenes Baby haben, aber ich habe Glück. Ich bin jeden Tag von Kindern umgeben.‘ Ihre Augen leuchten beinahe wie früher, als sie sich dessen bewusst wird. Statt sich darüber zu grämen, dass sie niemals selbst Mutter sein wird, ist sie glücklich über die Arbeit mit den kleinen Tänzern und Tänzerinnen. Sie lehrt sie nämlich nicht nur, sich zu bewegen, sondern kümmert sich auch um ihre Sorgen und Nöte. Viele der heutigen Schüler kennt sie schon von Kindesbeinen an und hat zu fast allen von ihnen ein sehr herzliches Verhältnis.
Und dann ist da noch Akash. Für einen Moment bleibt sie stehen und blickt wehmütig in den dunklen Himmel. ‚Er wird immer in meinem Herzen sein. Ich habe ihn geliebt. Mit ihm habe ich die schönste Zeit meines Lebens verbracht. Wenn auch nur in meinen Träumen.‘ Eine Weile betrachtet sie die Sterne und denkt über den heutigen Tag nach. Dann strafft sie die Schultern und lächelt vor sich hin, während sie sich weiter auf dem Heimweg macht.
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